12. Tag | In den Drakensbergen

Jede Marco Polo Reise beinhaltet einen Besuch bei einer regionalen Institution, die Spendengelder dringend gebrauchen können. Wir besuchen eine Grundschule in einem Zulu Dorf, ganz in der Nähe unserer Unterkunft. Die Verhältnisse sind hier sehr sehr einfach. Umso mehr ärgere ich mich über den Mercedes Benz, der mitten auf dem Hof steht und anscheinend dem Schulleiter gehört. Wie auch immer. Wir besuchen die erste Schulklasse, alle Kinder tragen die gleiche graue Uniform. Die Lehrerin unterbricht den Unterricht und wir werden von den Schülern skeptisch beäugt. Nach ein paar Minuten entwickelt sich aber ein lustiges Frage- und Antwortspiel. Die Kinder sind ganz erstaunt, dass wir in unserem Alter alle noch keine Kinder haben. In Südafrika ist es normal mit unter 20 Mutter zu werden. Wir können es nicht fassen, dass manche Kinder bis zu 9 km zu Fuß zur Schule gehen müssen. Und so geht das Fragespiel munter weiter. Etwas erschrocken bin ich über ein Plakat mit der Überschrift “Facts about HiV & Aids – my life, my future”. Darunter: Even with all the ways to say NO: I’m not ready, I’m still a child, I don’t love you etc. Das nenne ich frühe Aufklärung. Aber in einem Land, wo Aids ein großes Problem darstellt, wohl unabdingbar. Auf dem Rückweg kommen wir an einer Waisen-Schule vorbei. Zum großen Teil sind die Kinder hier Aids-Waisen, haben keine Mutter, keinen Vater und das Geld reicht für eine Schuluniform nicht aus.

20140904-200550.jpg Man merkt, dass Lehrer und Kinder mit viel Spass bei der Sache sind. Die Stimmung ist ausgelassen und die Kinder, Lehrer und wir müssen sehr viel lachen. Auf Patricks Frage, was denn passiert, wenn man seine Hausaufgaben vergisst, bekommen wir aber keine konkrete Antwort. Weiter geht’s zu den Bushman Paintings. Elijah zeigt uns über 800 Jahre alte Zeichnungen von den damals lebenden Buschmännern.

20140905-074344.jpg Er erklärt uns: Die rote Farbe ist ein Gemisch aus Blut, die gelbe Farbe ein Gemisch aus Urin und die weiße Farbe entsteht aus Stein. Er erklärt uns noch viel mehr, aber ich schalte ab und genieße die wunderbare Aussicht. Höhlenmalerei ist nicht mein Interessengebiet. Wir machen uns auf zu einem 4stündigen Spaziergang durch die Drakensberge. Wer schafft es bis zum berühmten Amphitheater? Keiner. Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, dann hätten es Kaya, Kristin, Miriam und Stefan garantiert geschafft, unsere Sportskanonen schlechthin. Aber wir müssen pünktlich zu Hause sein, schließlich muss heute noch alles für den Braai vorbereitet werden. Die Organisation war spitze, das Essen genial! Sharon, ich brauche unbedingt das Rezept für das Pestobrot!! Wir sitzen noch lange am Grill, bis uns irgendwann zu kalt wird und wir in Haus Nr. 80 umziehen. Und wir sitzen noch lange gemütlich zusammen…

Eure Anni.