16. Tag | Der Klang der Stimme

Heute verlassen wir das Hotel erst um 10.00 Uhr. Manche nutzen die freie Zeit sinnvoll, ich schlafe stattdessen aus und gönne mir ein langes Frühstück. Wir verlassen die Garden Route und fahren wieder ins Inland Richtung Oudtshoorn. Auf dem Tagesprogramm steht der Besuch einer Straußenfarm sowie eine Höhlenführung. Unser heutiger Guide heißt Chinetia. Mit Ihrer piepsigen Stimme erzählt sie uns alles über Ihre Lieblingstiere, die südafrikanischen Strauße. “Sehr geehrte Damen und Herren, bei uns findet jedes Teil eines Straußes Verwendung. Das Fleisch ist wegen des geringen Fett- und Cholesterinanteils sehr gesund, aus der Haut stellen wir Handtaschen her, aus der Haut der Beine kleine Portmonais, die Knochen werden zu Hundefutter verarbeitet und aus den Federn machen wir Staubwedel. Bis zu 60 Jahre können Strauße alt werden, geschlachtet werden sie aber schon mit 11-12 Monaten.” Ich finde es beachtlich, dass anscheinend alle Körperteile eines Straußes weiterverarbeitet werden können, wo doch in Deutschland ein Großteil des Tierkadavers nach der Schlachtung weggeschmissen wird.

20140908-183252.jpgBevor wir aus dem Bus aussteigen, um die Tiere von Nahen zu betrachten, folgende Warnhinweise: 1. Strauße lieben alles was glänzt, passen sie auf ihre Kameras auf. 2. Ein Tritt ist natürlich tödlich (ich vermute sie hat sich versprochen) 3. Wenn ein Strauß sie angreift, legen sie sich schnell auf den Boden. Mit diesen Infos setzen wir die Besichtigung fort. Die Strauße haben viel Platz und laufen draußen frei herum. Es ist kein Ansatz von Massentierhaltung zu erkennen. Ich sollte auf Straußenfleisch umsteigen. Später essen wir auf der Farm noch einen frischen Salatteller bevor es zu meinem Highlight des Tages, der Tropfsteinhöhle geht. Jeder der mich kennt denkt jetzt sicherlich, dass ich das ironisch gemeint habe. Habe ich aber nicht. Der Grund dafür ist unsere Höhlenführerin Liane, die sich so scheint es mir, mit voller Hingabe der Tropfsteinhöhle verschrieben hat. Liane hatte in der Schule Deutschunterricht und macht die Führungen auf deutsch. Ich scheiße Liane, so hat sie sich früher ihrer Gruppe vorgestellt. Heute ist ihr deutsch super. Nur das Wort “Tropfstein” will ihr nicht richtig über die Lippen kommen und sie kichert bei jedem Versuch. Nennen wir sie Stalaktiten und Stalagmiten, weiß doch jeder noch aus der Schule :). Sie erklärt uns alles mögliche über die Gesteinsarten, Alter etc. Dann geht das Licht aus und wir stehen plötzlich im Dunkeln. Trommelgeräusche, dummdumm…und Liane fängt an die südafrikanische Nationalhymne zu singen. WOW! Das war großartig! Wir klatschen begeistert Beifall und sie freut sich verlegen. Wir gehen durch zwei weitere Höhlen, bevor wir eine riesige “Halle” betreten. In der Mitte der Halle fragt Liane, ob sie noch mal für uns singen dürfe. Wir wollen sie gern noch mal singen hören. Es wird wieder dunkel und sie beginnt die erste Strophe von Ave Maria. Ich bekomme am ganzen Körper eine Gänsehaut, Sekunden später habe ich Tränen in den Augen. Und nicht nur ich. Diese klare Stimme, dieser Klang und die Fülle der Töne. Der Hall in dieser gewaltigen Steinhöhle.

Ich bin total geflasht. Nachdem der Applaus verebbt ist muss ich noch mal zu Ihr gehen und ihr sagen wie großartig sie gesungen hat. Sie freut sich riesig und drückt mich.

Das war wirklich ein einmaliges Erlebnis!

Eure Anni aus Oudtshoorn.

PS: Strauße sind so dumm, weil ihr Gehirn nur 40 Gramm wiegt. Ihren Kopf stecken sie deshalb aber nicht in den Sand.